Aufruf 2025

Antifa – ein Thema, das anhaltend die Gemüter erhitzt. Während #dankeantifa ein Dauerbrenner der sozialen Medien bleibt, wird auf der anderen Seite, mal mehr mal weniger engagiert, das Verbot der “Antifa” gefordert, als handele es sich um eine homogene, in sich geschlossene Gruppe. Und auch in linken Kreisen heißt es gerne: “Antifa ist notwendig”, womit dann ausgedrückt werden soll, dass sie nötig ist, dringend; wenngleich dies sicherlich richtig ist, ist sie es dem strengen Wortsinne nach gerade nicht: Sie ist nicht zwingend, ergibt sich nicht aus der Sache heraus, sie kommt nicht von allein, sondern sie muss gemacht werden, jeden Tag aufs Neue.

Dabei ist, selbst bei denen, die die Bereitschaft haben, den faschistischen Tendenzen unserer Zeit zu trotzen, gar nicht immer so klar, was denn das bedeutet, gegen den Faschismus zu kämpfen, also antifaschistisch zu handeln. Was denn Antifa ist, das ist, anders als jene, die es beklatschen oder verdammen, gar nicht so fest bestimmt, ganz einfach auch deswegen, weil gar nicht immer so klar ist, was das denn ist: der Faschismus.

Dem Antifaschismus werden von seinen Verfechtern gerne viele positive Eigenschaften zugesprochen, manchmal gesteigert bis zu der Vorstellung, Antifa sei revolutionär und würde schon selbst die Bewegung sein, welche die falschen Verhältnisse abschaffen will, zumindest aber dieser angehören. Demgegenüber erwies sich der historische Antifaschismus weniger bestimmt: Der Kampf gegen den Faschismus hatte immer schon trotz der anhaltend kleinen Zahl von Antifaschist:innen viele Gesichter und er war und ist bisweilen effektiv, ganz ohne ein revolutionäres Potenzial zu besitzen.

Genau hierin haben die Antifa-Wochen ihre Basis: Es geht nicht darum, dem Antifaschismus eine Ideologie unterzuschieben, ihn in seine eigenen, politischen Interessen einzuspannen, sondern ihn gerade in seiner Unterschiedlichkeit und seinen Widersprüchen fassbar zu machen. Antifa ist die Sache der Menschen, die sich gegen die gesellschaftliche Vernichtung der Menschen stellen wollen. Es ist die Sache derer, die den Tod hassen und das Leben lieben.

Antifa ist eine Sache der Jugend – was von manchen zum Credo erhoben, ins Positive gewendet wird, ist allzu oft gar nichts Gutes; viele, die älter werden, entfernen sich vom Kampf und lassen ihn unvollendet liegen, so dass der Jugend nichts anderes übrigbleibt, als den Kampf wieder aufzunehmen, allzu oft allein, ohne Unterstützung und aus Erfahrung resultierender Orientierung. Für uns bedeutet das zweierlei: Zum einen richten wir uns auch an “die Jugend” und dort eben an alle, die die Bereitschaft in sich spüren, dem Faschismus die Stirn zu bieten, zum anderen wollen wir das bieten, was allzu oft fehlt: eine Traditionslinie, die – wenn man sie denn aufgreift – in Leipzig länger und stärker ist, als manch einer glauben mag.

Es ist deshalb kein Zufall, dass wir die “Antifa-Wochen”, organisiert und veranstaltet von linksradikalen Leipziger Gruppen, die sich z. T. seit Jahren mit dem Kampf gegen faschistische Strukturen in und um Leipzig befassen, auf den Semesteranfang gelegt haben. Es ist eine Zeit, wo viele junge Menschen von überall her, neu in die Stadt kommen – all jene, die den Verhältnissen gegenüber nicht blind sind und sich dem Kampf gegen das aufziehende Unheil stellen, sollen wissen, dass sie hier, in dieser Stadt, nicht alleine sind. Wir wollen den Weg öffnen dafür, dass wir uns kennenlernen, zusammenkommen und uns gemeinsam weiterbilden in einem Bereich, der außerhalb der radikalen und undogmatischen Linken kaum ausreichend Beachtung findet. Dafür öffnen wir den Weg weg von der Universität und hin zu autonomen und selbstverwalteten Räumen, die nicht nur Platz bieten für eine gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Faschismus und seinen Handlangern, sondern auch für Selbstbestimmung, Kontakte knüpfen, Lektüre abgreifen, die sonst nur schwer zu finden ist und dergleichen mehr. Denn bei allen Qualitäten, die die Universität auf sich vereinigen kann, sie ist nicht alles; wesentliche Inhalte werden dort vernachlässigt und nicht bestimmt und wer mehr erfahren will, darüber, was denn eigentlich los ist mit der Welt, wird dort nicht viel oder sogar gar nichts finden.

Die Einladung zu den Antifa-Wochen geht aber weit über die Universität hinaus, sie richtet sich an alle, die in schwierigen Zeiten nicht alleine bleiben wollen, die den Faschisten dieser Zeit nicht den Platz überlassen wollen, die Mut finden wollen in Solidarität, Zusammenhalt und Freundschaft. Dabei setzen wir nicht auf vorgefertigtes Denken, nicht auf eine feste Theorie, die nur blind zu erlernen ist, sondern wir setzen auf lebendigen Austausch, auf Kontroverse, darauf Unterschiede herauszustellen, anstatt sie zuzuschütten und dabei trotzdem das Gemeinsame nicht aus den Augen zu verlieren. Kurz: Wir setzen auf euch.

Kommt zu den Veranstaltungen der Antifa-Wochen, kommt zur Party am 18.10. Und kommt zur Demo am 25.10! Wir sehen uns!

Veranstaltungen 2025

11 Okt
17:30
Meuterei
Gespräch (alea)
Antifa im Ostdeutschland der 1990er

Baseballschlägerjahre – ein Begriff, unter dem sich seit einigen Jahren Erfahrungen mit Nazigewalt in den 90er Jahren sammeln, und der zugleich eng verknüpft ist mit… Weiterlesen

12 Okt
18:00
Index
Vortrag (alea)
Antifaschismus und Gesellschaft

Antifa ist für viele eine Sache der Praxis: Man will etwas tun gegen Nazis und Faschisten, gerade in Zeiten, wo die AfD selbst bundesweit dabei… Weiterlesen

13 Okt
19:30
Meuterei
Vortrag (alea)
Entfällt: Adornos Reflexionen zur Klassentheorie – mit Ali Ma

Krankheitsbeding muss die Veranstaltung leider ausfallen. Weiterlesen

13 Okt
20:00
Atari
Küfa, Kneipe (Atari)
Küfa und Kneipe im Atari

Ab 20 Uhr lädt das Atari zum montäglichen Barabend ein! Es wird leckeres Essen und Getränke, sowie Raum für gemeinsamen Austausch, Diskussion und entspanntes Beisammensein… Weiterlesen

14 Okt
17:00
Index
Workshop (Utopie & Praxis)
Erinnerungsweltmeister schon von Kindsbeinen an – Erinnerungskultur und Antisemitismus im Schulkontext

Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus gehört zum festen Repertoire schulischer Bildungsarbeit – zumindest auf dem Papier. In der Praxis zeigt sich jedoch: Zwischen ritualisierter Erinnerungskultur, hohler… Weiterlesen

14 Okt
19:00
Conne Island
Vortrag (OAT)
Gedenken erkämpfen – autonom, antifaschistisch!

Am 24. Oktober 2010 wurde Kamal K. in Leipzig von zwei Neonazis vor dem Hauptbahnhof ermordet. Er ist eines von zehn Todesopfern rechter Gewalt in… Weiterlesen

14 Okt
19:00
Meuterei
Vortrag (alea)
Versammlungsrecht – mit Rechtsanwalt Christian Mucha

Die Veranstaltung bietet neben einem rechtlichen Überblick über das (insbesondere sächsische) Versammlungsrecht Raum für Erfahrungsaustausch und Fragen. Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Menschen, die… Weiterlesen

15 Okt
16:00 – 18:30
Index
Workshop (kappa)
Die Linke und die Arbeiter_innenklasse – Eine Einführung

Der Begriff der Klasse als zentrale Analysekategorie der kapitalistisch verfassten Ökonomie und Gesellschaft unterliegt selbst konjunkturellen Schwankungen. Im Laufe der Geschichte wurde er auf unterschiedliche… Weiterlesen

15 Okt
19:00
Conne Island
Lesung (Rassismus Tötet)
Lesung mit Thomas Billstein “Kein vergessen – Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland nach 1945”

Über 300 Menschen wurden nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland durch rechte GewalttäterInnen ermordet. Weit mehr, als von offizieller Stelle anerkannt sind. In Leipzig waren… Weiterlesen

16 Okt
16:00 – 22:00
Hinterhaus Eisenbahnstraße 176-182
Kaffee, Kneipe (Rote Hilfe Leipzig)
Briefe schreiben und Lesecafé zu Repression & Queer sein

(de) Wir sind nicht alle – Es fehlen die Gefangenen! Am 16.10. von 16:00 – 22:00 Uhr veranstalten wir ein Briefe schreiben und Lesecafé mit… Weiterlesen

16 Okt
19:00
Meuterei
Vortrag (FARN)
Ökologie von rechts? Rechtsextreme Ideologien im Natur- und Umweltschutz

Immer wieder sind demokratische Akteur*innen des Natur- und Umweltschutzes sowie des (ökologischen) Landbaus mit Kooperationsanfragen, Vereinnahmungsstrategien und Unterwanderungsversuchen von rechts konfrontiert. Welche Beweggründe haben extrem… Weiterlesen

17 Okt
18:30
Index
Küfa, Kneipe (Index)
Bar und Küfa im Index

Das Index – Bibliothek und Infoladen im Leipziger Osten (Breite Straße 1) – schließt zum Abschluss der antifaschistischen Fahrradtour den Laden auf und lädt ein… Weiterlesen

18 Okt
11:00 – 18:00
translib
Tagesseminar (translib)
»Wider den autoritären Marxismus«. Tagesseminar zur jugoslawischen Praxis-Gruppe

In den letzten Jahren haben sich vermehrt linke Gruppen gegründet, deren Auftreten und deren Tendenz zur Kaderdisziplin oder auch zur generellen Unterordnung unter das Kollektiv… Weiterlesen

18 Okt
12:00 – 16:00
adi
Tagesseminar (adi)
Faschismusbegriff und Faschismustheorien. Tagesseminar mit Mathias Wörshing

„Faschismus“ – das Wort kam nach dem Ersten Weltkrieg als Selbstbezeichnung einer Strömung der extremen Rechten in Italien auf. Schnell wurde es zum (nicht nur)… Weiterlesen

18 Okt
20:00
G16
Party (alea)
Party

Doors: 20:00 Uhr Start: 21:00 Uhr 1. Floor: Punk Jeanne-Luc Borovsky (punk) Infant Sanchos (wavepunk) ponys auf pump (punk) danach: DJTeam Tschüss (Punk an den… Weiterlesen

19 Okt
15:00
Index
Hörstück und Gespräch (Buchhandlung drift)
„Die schöne Landschaft aller” – Hörstück und Gespräch mit Antje Meichsner

Die Schönheit schroffer Felsen und die Härte rechter Hegemonie. Menschen, die sich im Alltag selbstverständlich aushelfen und vor rechter Gewalt die Augen verschließen. Die Weite… Weiterlesen

20 Okt
19:00
Meuterei
Vortrag (Ermittlungsausschuss (EA) Leipzig)
Staying clean – Repression bei Demos vermeiden

Im Zusammenhang mit Demos und Aktionen kommt es leider hin und wieder zu polizeilichen Ermittlungen. Es gibt also einiges wichtiges zu beachten, um Repression oder… Weiterlesen

21 Okt
19:00
Index
Lesung und Diskussion (outside the box)
Ruhe gibt es nicht, bis zum Schluss. Theoriebildung als politische Praxis.

outside the box ist ein seit 2009 in Leipzig aktives Zeitschriftenprojekt, das sich feministischer Gesellschaftskritik widmet. Wir sprechen über das Zeitschriftenmachen als feministische Praxis und… Weiterlesen

21 Okt
19:00
Meuterei
Vortrag (alea)
Superrecognizer – Polizeibeamten*innen mit besonderen Fähigkeiten oder der Versuch anerkannte Beweisstandards zu relativieren? – mit Rechtsanwalt Daniel Werner

Super-Recognizer sind ein relativ neues Phänomen: Polizeibeamt*innen, welche angeblich über außergewöhnliche Fähigkeiten bei der Wiedererkennung von Personen verfügen. Sie prägen sich Fotos von unbekannten Tatverdächtigen… Weiterlesen

22 Okt
19:00
Index
Vortrag (chronik.LE)
Rechte Strukturen in und um Leipzig

Auch in Leipzig gibt es Neonazismus, Diskriminierung und rechte Strukturen. Ausgehend von der Vorstellung der Arbeit von chronik.LE wollen wir mit euch darüber ins Gespräch… Weiterlesen

22 Okt
19:00
Meuterei
Workshop (afbl)
Workshop „Braucht der Kapitalismus ein Geschlecht?”

In unserem Workshop wollen wir genau hier ansetzen und der Frage nach der Notwendigkeit des Geschlechterverhältnis im Kapitalismus auf einer theoretischen Ebene begegnen. Dafür werden… Weiterlesen

23 Okt
18:00
Ecke Karl-Liebknecht-/Schletterstraße
Kundgebung (Rassismus Tötet)
Stilles Gedenken an Achmed B.

Der aus Syrien kommende Asylsuchende Achmed B., 30 Jahre alt, wird am 23. Oktober 1996 von zwei jungen Nazis, Daniel Z. (20) und Norman E.… Weiterlesen

23 Okt
19:00
Conne Island Café
Vortrag (fantifa)
Das belastete Erbe. Warum sich die Linke kaum von ihrem Israelhass lösen kann.

fantifa lädt ein: Dr. Olaf Kistenmacher: Das belastete Erbe. Warum sich die Linke kaum von ihrem Israelhass lösen kann Der 07. Oktober 2023 ist das… Weiterlesen

23 Okt
20:00
Index
Vortrag (Utopie & Praxis)
Zum Verhältnis von Transfeindlichkeit, Antisemitismus und Autoritarismus am Beispiel einer feministischen Online-Community

Journalistische Recherchen sowie erste wissenschaftliche Publikationen weisen in den letzten Jahren vermehrt auf einen ideologischen Brückenschlag zwischen Antisemitismus und Transfeindlichkeit hin. Die Referentin wird auf… Weiterlesen

24 Okt
18:00
am Gedenkstein in der C.W.-Müller-Anlage am Leipziger Hauptbahnhof
Kundgebung (Rassismus Tötet)
Stilles Gedenken an Kamal K.

Der 19-jährige Kamal K. wurde in der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober 2010 im Park am Willy-Brandt-Platz von den Neonazis Marcus E. und… Weiterlesen

24 Okt
20:00
Meuterei
Vortrag (Turn Left)
Entfällt: „Was hat Marx mit Feminismus zu tun?”

Krankheitsbeding muss die Veranstaltung leider ausfallen. Weiterlesen

24 Okt
22:00
Meuterei
Kneipe (alea)
Antifa-Kneipe

Wir laden euch ein im Anschluss an die Veranstaltung von Turn Left noch für ein paar Getränke zu verweilen und sich auszutauschen. Falls ihr nicht… Weiterlesen

25 Okt
14:00
Ecke Karl-Liebknecht-/Schletterstraße
Demo (Rassimus Tötet & alea)
Demo: Gedenken erkämpfen – autonom, antifaschistisch

In den letzten 15 Jahren haben wir versucht, ein kritisches und antifaschistisches Erinnern an den rassistischen Mord an Kamal K., aber auch die anderen rechten… Weiterlesen

27 Okt
19:00
Index
Vortrag (Index)
Ingo Elbe stellt sein Buch „Antisemitismus und postkoloniale Theorie” vor.

Antisemitismus und postkoloniale Theorie. Der „progressive“ Angriff auf Israel, Judentum und Holocausterinnerung. Die im akademischen und kulturellen Bereich inzwischen vielfach tonangebenden Postcolonial Studies werden von… Weiterlesen