Ein Jahr ist es her, dass wir zum ersten Mal die „Antifa-Wochen" veranstalteten. Seither ist viel passiert, und eines brauchen wir wohl niemandem zu erzählen: Die Verhältnisse haben sich nicht zum Besseren gewendet. Wir ersparen uns eine Auflistung der destruktiven Entwicklungen und fokussieren uns auf eins: Die anhaltende Krise übt einen immensen Druck aus - auf die Gesellschaften weltweit, auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, auf jede:n Einzelne:n.
Unter diesem Druck tun die Menschen aber gerade nicht das Naheliegende: sich zusammenzuschließen, um, selbst wenn sich an den großen Verhältnissen eh nichts ändern lässt, so doch zumindest auf der Ebene, die wir beeinflussen können, solidarisch zu sein. Im Gegenteil. Die Tendenz, sich gerade in krisenhaften Zeiten voneinander abzuwenden, setzt sich fort. Dabei wäre gerade der reflektierte Zusammenschluss der Menschen das, was die Basis für Veränderung bilden könnte: Veränderung gegenüber den Verhältnissen, die über uns allen walten. Stattdessen flüchten die Menschen. Die einen schließen die Augen und versuchen, so wenig wie möglich von dem mitzubekommen, was in der Welt passiert. Die anderen flüchten sich in Ideologien, die ihnen trotz aller realen Ohnmacht zumindest das Gefühl vermitteln, Handlungsmacht zu erwerben.
Dabei zeigen diese Ideologien eine strukturelle Ähnlichkeit: Wenn die Verhältnisse größer sind als wir selbst, dann scheint die einzige Lösung darin zu liegen, sich einer Sache anzuschließen, die ebenfalls größer ist als wir selbst. Der Zusammenschluss unter diesem Vorzeichen steht unter der Voraussetzung seine Individualität zu opfern, die zwischen uns und einem solchen Dienst steht. Damit steht die Sache, der wir uns anschließen, nur noch vermittelt in unserem Dienst. Wesentlich stehen wir im Dienst dieser Sache.
Dieses Sich-in-den-Dienst-einer-Sache-Stellen führt zwar zu kurz- und mittelfristigen Mobilisierungen und zu einem gesteigerten Gefühl von Handlungsfähigkeit. Zugleich haben Ideologien ein zentrales Problem: Sie sind nicht wahr. Wer auf ihrer Grundlage handelt, handelt nicht mehr im eigenen Sinn, sondern im falschen, und verwirklicht damit genau das, wogegen man sich eigentlich richten wollte: die falschen Verhältnisse, die das Leben von immer mehr Menschen bedrohen und die Bereiche relativer Sicherheit auf der Welt immer kleiner werden lassen.
Der Mensch, der im Dienst der großen Sache steht, ist selbst schon Ausdruck einer Tendenz, die wesentlich für den Faschismus ist. Im Faschismus erlischt die Bedeutung des Individuums vollständig. Die Verhältnisse walten, als wäre menschliches Leben nichts weiter als ein zu verschleißender Brennstoff, der nötig ist, um gesellschaftliche Strukturen umzuwälzen. Dafür ist keine spezielle politische Orientierung nötig. Es reicht aus, bereit zu sein, den anderen totzuschlagen, wenn es sein muss, und sich am Ende auch selbst totschlagen zu lassen. Der Kampf gegen den Faschismus ist also neben aller nötigen konkreten Praxis auch immer der Kampf dagegen, dass der Mensch in sich und anderen nur noch das Ding sieht, zu dem die Verhältnisse ihn längst gemacht haben.
Um nicht Opfer der Verhältnisse zu werden und um andere nicht zu opfern — als ließen sich die Verhältnisse dadurch irgendwie gnädig stimmen —, muss man sie begreifen. Viele glauben, diesen Teil schon erledigt zu haben: Man weiß schon alles, was man wissen muss, um gegen das Falsche ankämpfen zu können. Allzu oft zeigt sich aber, dass hier ein Irrtum vorliegt, sogar vorliegen muss. Denn die Welt und die Verhältnisse sind kein toter, sondern ein lebendiger Ort. Wer glaubt, Wissen sei unveränderlich, glaubt auch, dass die Welt es ist. Wissen muss sich der Bewegung in der Welt anpassen, ihr folgen, damit es lebendig bleibt. Und nur ein lebendiges Wissen hat das Potential in sich, tatsächlich eine Veränderung herbeizuführen, die etwas anderes ist als die große Destruktion, die sich derzeit überall ankündigt.
Antifaschismus ist damit nicht nur der Kampf gegen konkrete Nazis und ihre Organisationsstrukturen. Er ist auch die anhaltende Anstrengung, uns in Gedanken gegenüber den sich verhüllenden und verbergenden Verhältnissen zu behaupten, zu schauen, dass man sich als Mensch begreift und verwirklicht, um den anderen überhaupt als einen erkennen zu können.
Um hierzu einen Beitrag zu leisten, gehen wir mit den „Antifa-Wochen" in die zweite Runde. Wie letztes Jahr bieten wir einen Strauß an Veranstaltungen, die wir genau wie letztes Jahr nicht alleine, sondern in Zusammenarbeit mit alten und neuen Gruppen der Stadt sowie mit vielen Einzelpersonen auf die Beine stellen. Wir geben kein inhaltliches Thema vor. Jede Gruppe bringt sich so ein, wie sie es für richtig und wichtig hält und wie es die eigenen Ressourcen zulassen. Dabei halten wir an unserem autonomen Anspruch fest und organisieren uns weiterhin jenseits von Parteien, Gewerkschaften und anderen vergleichbaren Gruppierungen.
Kommt vorbei, besucht die Veranstaltungen und Aktionen oder macht euch einen schönen Abend in guter Gesellschaft auf unserer Party und den Kneipenabenden. Wir sehen uns.
Keine vergangenen Veranstaltungen
Die Programme der Antifa-Wochen aus vergangenen Jahren findet ihr hier:
Email: antifa-wochen@riseup.net
PGP Public Key:
-----BEGIN PGP PUBLIC KEY BLOCK----- xsDNBGn/BRoBDACnZg7erDhawCHZ11RS0nuZ8DkgacOImXSqbVRJmetIrqmj+TmV 02lZA8jVYsdn/hrR57REkGVsM9HC7eOJj0XaV8OyEMHjK847lO1ywJwTw+ZX0l7c Yp1WRAL0Dbz3cQ/mAIqLdzr4hu2wMCQn7jTyXjWPo1ryws+Ne9kGHdhEMc05j6x4 cCs6Ne7UZ451Xf4AfphGGPe3K6Zc1RwAAhK/WCOVEdDd/A1h9391ptIQj0UUyZPB W/h+VzNNGwxjc2ohpQyVshiF3kINLJRbm+szh8tw6R+ZAZoVzs6fUGoIS1xMhJdM 24oglNwrTTUHwTvunoxaPkdd/3yvtdr4sY1cFJmfMk5uSaGfnsYn1iKCyipL7RXI KVJlEv/BOICclG+tPnRtAsLMGt+z5eo/Z8Y80TQQ2TznSM6/hGZjvFWbyzoblKws 5YANo8hxXpXr9Yyxl6vzIYZeozulAxKlzjNC6GSdwc7U2Dcj2qPtkmNmAzJcFNx4 VGceYrnPKLfizYUAEQEAAc0oQW50aWZhLVdvY2hlbiA8YW50aWZhLXdvY2hlbkBy aXNldXAubmV0PsLBDQQTAQgANxYhBKyJwi2I6XiM+Mv0oTm9EBGHMZcQBQJp/wUb BQkFo5qAAhsDBAsJCAcFFQgJCgsFFgIDAQAACgkQOb0QEYcxlxAOSwwAlXHKVN2e ryADdZpRF8EtQ15f/YFSrV7C/BYCqGLHW8hZleD3VIb712y3viz0xj5dYKYwlcFQ wPZ8HTDoUrKUHfWnLw7GygMQb/newW1OCOBSHO8nKDHowrJEM4OipZmcs8y7DZBS 8PTUaeviuhB1u1IFSDBDP7k/KLinVP4A3qPgZSGes68vdukNhkTvCKNgW4LdGN8/ dTd64FLiOfV7BrjnoK8V5bQjqSU6aDD79Q+Zmk0deB+hKX7R6/0Gleayv8j6HRjv 0966rzYlCYJhYMdF3vJ7TRnIWWv8i8MM2I7O7Ap83eEnwqZ7K0B2iJAwQe5O96ZW REClQJLXbpag/6NYX5qT0+MDy+dWCQxBYtfI1sKwMSSmH1e1sJztwAGAE1bCLMol +DuppZ5IfTJr0c6JqjvIsyTsG6jrKn8ZyvY61usE4mCIL0aufnYPbN0W4t9slDQg IMXIK+fl/1X+UbLqGcUiJPE5AFM/sHgBzKmBZ3ec1LOoIbt9uDsOXolrzsDNBGn/ BRsBDACgujPSiPJV+sua0TiCi4sOBMOcCnb2mI3FTOOcosQAqRKdRxHnimWFq3j5 3480Jnh5QJJsPUNFVvV+pagASTg7OEwXSzd8yBi8JWe5UJ93wj1yg7PsnW8ejRhQ svmt1Lx6RunDA5GqgeK01kddgSbF5QkIL6HC4si1gfwwZxi2ECzsyLv09ICZm0/i sQeDw3a2FL+vts5ndNjracVy5pDANFp46LNP93coX88uuiA7msP6L6iD+sxPCheI ITQM1W8JibCCtn22qVYgdHWjsDLSRs/680j9sN4+WBq+XZOivyS9bOGaRwLta1O2 bkwr5FqPK1nB4ZR3nEQVIWAWJp4sEmV4Wr4GZmywc/L28lIRSyhSCR0L2/y0+BfV q66hidiIh6BZgFDlkzRswMuYOnIcpVG6spm/YxT3+Q9Bs8bQ7PzP1u1Mk44PrQkH bRt/CcpBqfk430By8EWW0ttsdyEIlz1+l26+ES1VbYvqbVJnCDBixHHN36/UjhRC cmtKpKsAEQEAAcLA/AQYAQgAJhYhBKyJwi2I6XiM+Mv0oTm9EBGHMZcQBQJp/wUc BQkFo5qAAhsMAAoJEDm9EBGHMZcQekcMAI5OKJtSLxrW1EQGGyRuCdjY/V93zwNL ywKKXXYd//x5VuMvHzRHsAM7Wz4FQ4rDawa9P05o9jDwRi3KDre2PtcpRNuVGL5L eHI5PdMrG71KxbQXaDuJB1+JTyl0MJpvJn/1uLLOuMF5DYlE/4X0AxJ8u7ryHny5 pQUqQ4anEy87x4I6g0wzhSoB993xTAdKD0Yb4FqhSEv71ATY3P699DtRUzV/DTTC r4t9k8K45Oq7EdeteBomVyh9dDR56zvqcPLmg2rcIQna7TKB+SA+O9Peomw63yDD 0xNfaRLTRQnx6sI9g8+7jdmTFdZzHGXXK95Vqv7DXDNlMJE/EWPTGZJRMss/cZoG OD6rAB6nmznSfND4gkG8vmS2NVPpTuaNdii5+ymTrdY8tzofPlvrNpRO2rfeH2Hi CYEFH2GhCSFGP0p6WuwoMcQ4gySa21TOhRTYGfM96v1NDfkXlujFUTcQ4laQnQFD XV+FYvoiEzUqOVGJ6vEIMNq9c/sPLN0HsQ== =4tzy -----END PGP PUBLIC KEY BLOCK-----